Auf unserem Stoffwindel-Wickeltisch

Kosten:
Stoffwindeln sind einmalig in der Anschaffung durchaus atemberaubend. Ich weiß, wie man sich fühlt, wenn man auf einzelne Teile für 10, 20 oder 35 Euro schaut und einem dann einfällt, dass das Kind ja auch noch mehrere davon braucht. Darum gebe ich hier einen Einblick in unseren Windelverbrauch und helfe damit hoffentlich, eine eigene Rechnung aufzumachen. Stoffwindeln sind nämlich entgegen des ersten Eindrucks sogar günstiger als Wegwerfwindeln:

Wir wechseln bei unserem 6-monatigem Kind 6 bis 8 mal am Tag die Windel. Man sagt uns, das sei eher viel und über dem Durchschnitt. Da es statt eines komplizierten Verdauungstracks jedoch nur eher ein Fallrohr zu haben scheint, ist der häufige Windelwechsel eben vorerst unvermeidbar. Später, mit zusätzlicher fester Nahrung, wird sich das schon noch ändern: fünf Windeln pro Tag sind dann, so sagt man uns, ein üblicher Durchschnitt. Nachtrag: Das Kind isst jetzt manchmal, manches, und kommt meist mit fünf Windeln/Tag aus. Nehmen wir also für den Windelverbrauch im ersten halben Jahr 7 Windeln/Tag und ab da 5 Windeln/Tag. Das sind dann rund 1.200 Windeln im ersten Halbjahr und weitere rund 4.600 Windeln bis zum dritten Geburtstag, insgesamt also 5.800 Windeln.

6 Monate täglich 7 Windeln = 1.200
2,5 Jahre täglich 5 Windeln= 4.600

Eine Wegwerfwindel, wie wir sie im Urlaub oder unterwegs benutzen (die Öko-Variante von dm) kostet im Schnitt 17,5 Cent. Für die Wegwerfwindeln hätten wir also im Laufe von drei Jahren etwa 1.015 Euro ausgegeben. Das wird natürlich abweichen, reicht aber als Richtung für die Kosten bei Wegwerfwindeln.

5.800 Windeln x 17.5 Cent

= 1.015 Euro

Andere Seiten geben die Verbrauch von 5.400 bis 10.000 Stück an, außerdem kommt es darauf an, mit welchen Wegwerfwindeln man rechnet — es kann also günstiger, aber auch deutlich teurer werden.

 

Anzahl der Stoffwindeln:
Unser Kind trägt, bis auf wenige Ausnahmen, von mir selbstgenähte Windeln. Wir haben so viele in der aktuellen Größe, dass wir etwa alle zwei Tage waschen. Wir waschen, wenn noch etwa ein Drittel der Windeln sauber ist, so dass wir keinen Engpass haben, bis die Wäsche getrocknet ist. Insgesamt haben wir ca. sechs aktuell optimal passende Überhosen (2 dickere für nachts und unterwegs, 4 dünnere für sonst) und etwa 15 verschiedene Innenvarianten (3 Höschen, hauptsächlich für die Nacht oder wenn wir länger unterwegs sind, 4 Prefolds mit Flügeln, 4 Prefold-Saugeinlagen und etwa 10 Saugeinlagen) in Verwendung. Dazu kommen bei uns noch ein paar zusätzliche, die eigentlich schon verwachsen sind, aber noch als zusätzliche Saugeinlage oder Notfall-Überhose zum Einsatz kommen, und ein paar Prototypen die den Sprung zur Serienreife nicht geschafft haben, aber so falsch nicht sind, als dass man sie nicht notfalls mit in die Windelhose packen könnte.

Zum Rechnen nehme ich hier mal meine Marktschwärmer-Preise und die Mengen, wie sie bei uns im Einsatz waren/sind, ohne unsere zusätzlichen “Notfallexoten”:

Überhose Newborn light 21, strong 28 = 140
Überhose Onesize light 27, strong 33 = 174

Höschenwindel Newborn 21 = 63
Höschenwindel 4-8 kg 23 = 69
Höschenwindel 7-11 kg 25 = 75

Prefold mit Flügeln Newborn 14 = 56
Prefold mit Flügeln 4-8 kg 16 = 64
Prefold mit Flügeln 7-11 kg 18 = 72

Prefold-Saugeinlage Newborn 11 = 44
Prefold-Saugeinlage Onesize 13 = 52

Saugeinlage Newborn 4 = 40
Saugeinlage Onesize 5 = 50

Newborn-Pack = 343
Onesize-Pack = 556

+ Windelvlies ca. 70

= 969 Euro

Knapp, aber immerhin unter den den Kosten für Wegwerfwindeln. Aber es ginge ja auch noch anders:

Aktuell macht der Absatzweg viel vom Preis aus (und natürlich die Arbeitszeit) … Ich rechne mal die reinen Zeit- und Materialkosten. Also abzüglich der rund 20 % Provision, die bei den Marktschwärmern anfallen) wären das dann:

Newborn-Pack = 275
Onesize-Pack = 445

+ Windelvlies ca. 70

= 790 Euro

Das ist doch schon ein nennenswerter Unterschied; und das nebenbei, zusätzlich zur Nachhaltigkeit.

Außerdem kann ich jedem nur empfehlen die Windeln doch einfach selbst zu nähen. Also zumindest denjenigen, die schon mal einen Kissenbezug genäht haben, oder eine Pumphose fürs Baby oder irgendwas, und daran Spass hatten. Windeln sind ein dankbares Nähobjekt, schon allein, weil die Gummizüge auch mal eine schiefe Naht unsichtbar machen. Das ist durchaus wissenswert für den Anfang — es motiviert doch enorm, wenn das Endergebnis gut aussieht. Und im Laufe der Zeit wird man dann immer besser. Windeln haben zwar durch ihren Schnitt einen recht hohen Stoffverbrauch, aber mit den reinen Materialkosten selbstgenähter Stoffwindeln könntest du nicht mal für ein halbes Jahr Wegwerfwindeln kaufen. Oder du deligierst diese Aufgabe an eine Oma, oder an deine Freunde. So, genug dazu, es ist einfach nur sehr sehr günstig, die Windeln selbst zu nähen, und recht einfach auch.

Wie du das Stoffwindeln günstiger machen kannst:
Wenn man die Überhosen so klein wie möglich einstellt und mehr bestückt, könnte man sich die Newborn-Größen bei den Überhosen wohl auch sparen: – 140.  Wenn das Kind wohlgenährt und noch lange auf die flexiblen Höschenwindeln angewiesen ist, kann davon noch mal ein Satz in der nächsten Größe nötig werden: + 75. Je nach eurem Waschverhalten, wie ihr euer Kind bevorzugt transportiert (im Tragetuch halten die Überhosen strong länger dicht), seinem Körperbau und Bewegungsdrang etc. braucht ihr vielleicht noch ein paar Teile extra. Vielleicht braucht euer Kind aber einfach nicht so häufig eine neue Windel wie unseres, ihr habt auch einen Schwung Mullwindeln geschenkt bekommen und nutzt diese mit, oder ihr wascht sowieso jeden Tag … dann tun es auch einige Teile weniger.

Weitere Überlegungen dazu:

  • die Windeln werden von mehr als einem Kind getragen: ab dem 2. Kind kosten die Stoffwindeln nichts außer die Waschkosten und Windelvlies
  • die Windeln werden gebraucht gekauft und oder verkauft
  • Stoffwindeln gibt es auch günstiger bei Herstellern, die größere Mengen produzieren / produzieren lassen und weniger kostenintensive Vertriebswege haben (bitte darauf achten, dass Kinderarbeit ausgeschlossen ist)
  • täglich waschen um weniger Windelteile zu benötigen, ggf. mit Wegwerfwindeln als Back-Up (wenn die Wäsche noch nicht trocken ist, im Urlaub etc.)
  • statt/als Saugeinlagen günstigere Frottee-Waschlappen oder später Gästehandtücher verwenden (eigene ausrangierte, aus dem Second Hand oder günstige Mehrfachpackungen)
  • Mullwindeln ausprobieren (funktionierte ja für mehrere Generationen, sollte doch was taugen — wird nur von unserem innullkommanix durchgeweicht, muss ja nicht bei jedem so sein)
  • Teilzeit-Windelfrei (geht ganz einfach im Sommer oder auf dem warmen Wickelplatz nicht direkt die nächste Windel anziehen) und oder Abhalten
  • du oder jemand aus deinem Umfeld näht dir (einen Teil) der Windeln: nur die Materialkosten, ggf. + Anleitung und Schnitt, wenn du kostenpflichtige Modelle wie mein Materialset wählst (Windelnähen kostet Geduld und Zeit, ist aber für jeden, der nähen kann zu meistern)

Manches ist nicht so nachhaltig wie anderes, aber alles davon ist besser als Fulltime-Wegwerfwindeln.

Randnotizen:

Wir waschen die Innenteile der Windeln meistens bei 40 Grad, bei besonders schmutzigen Bergen auch mal mit Vorwäsche, niemals im Eco-Modus. Das verbraucht weniger Energie und genügt meist. Die hartnäckigen Fälle kommen dann alle paar Wochen mal bei 60 Grad zusammen. Eine Trockner haben wir nicht, die Windelteile trocknen alle längstens über Nacht (darum habe ich keine der praktischen All-in-Ones – die brauchen zu lang zum trocknen).

Es heißt, dass Stoffwindelkinder etwas früher trocken und sauber werden, weil der Stoff eine deutlichere Rückmeldung gibt als eine Wegwerfwindel. Das bedeutet aber eben, dass dein Kind manchmal eine fühlbar nasse bzw. schmutzige Windel anhat und sich entsprechend beschwert – das ist ja nicht schlimm, wenn man die dann wechselt, man muss sich das nur mal bewusst gemacht haben, um zu entscheiden, ob man das ok oder nicht ok findet.

Vor- und Nachteile:
Wenn ich manchmal nachts um eins am Wäscheständer stehe und Windeln aufhänge, frage ich mich schon, ob ich wohl so und überhaupt die Welt retten kann, und warum genau ich das machen muss. Andererseits hat Wäsche aufhängen auch was meditatives, insbesondere mit Windelteilen, die man nach Formen und Farben sortieren kann (nachts nicht unbedingt). Aber ich habe diese Entscheidung getroffen, weil ich das so richtig finde. Und jedes Mal, wenn wir Wegwerfwindeln benutzen und uns mal wieder eine ausläuft, selbstverständlich bis in den Nacken hoch und ich dann das wenig amüsierte Kind umziehen muss und alle seine Sachen direkt in die Wäsche müssen und die Wickelunterlage noch dazu oder wenn ich am Ende eines Kurzurlaubs einen Mülleimer mit nur Windeln zur Tonne bringe, bin ich doch sicher, dass wir das mit den Stoffwindeln genau richtig machen.

Viele Hosen, die man uns weitergeben möchte, passen nicht — man bekommt den Bund nicht über den Windelpo. Da zum Tragen und gerade im Winter Einteiler sehr viel praktischer sind, habe ich das noch nicht sehr bedauert. Strumpfhose, Leggins und Pumphosen gibt’s ja auch noch.

+++Nach Diktat zum Windelwechseln gegangen+++